Wandern, Kanusport, Angeln, Floßfahrten, Quadtouren, Skilanglauf, Skiabfahrten, Touren mit dem Schneemobil, Fahrten mit dem Hundeschlitten, Eisangeln: den interessanten – und für Mitteleuropäer meist neuen Freizeitaktivitäten – sind in Lappland kaum Grenzen gesetzt. Dazu kommt, dass seitens der Behörden nur wenige Vorschriften den Bewegungsfreiraum einschränken. Das heisst aber nicht, das man tun und lassen kann was man möchte. Das sogenannte Allemansrätt bietet Einwohnern und Besuchern die Möglichkeit, Schwedens Naturreichtum zu genießen. Doch neben Rechten umfasst das Allemansrätt auch eindeutige Pflichten!





Wer in Lapplands Natur unterwegs ist kann das Allemansrätt in Anspruch nehmen. So kann man mit dem Zelt für eine Nacht ohne Genehmigung des Grundstückseigentümers übernachten, Holz sammeln, ein Feuer anzünden, Pilze und Beeren sammeln. Mit diesen großzügigen Regeln geht jedoch eine umfangreiche Verantwortung, Rücksichtnahme und Sorgfaltspflicht gegenüber Tieren, der Natur und Menschen einher. Kurz gesagt: es ist verboten, der Natur, der Tierwelt oder fremdem Eigentum Schaden zuzufügen. Wer in der Nähe von bewohnten Häusern zelten möchte, fragt die Grundstückseigentümer um Erlaubnis und stört auch nicht die Ruhe.
Nein, aus der Bezeichnung „Allemansrätt“ läßt sich nicht ableiten, dass man tun und lassen kann was man möchte! Der Umgang mit den Mitmenschen, den Tieren und der Natur unterliegt eindeutigen Regeln. Feuerholz sammeln: Ja – Feuerholz von lebenden Bäumen schlagen: Nein! Tiere Beobachten: Ja – Tiere jagen oder angeln ohne Jagd- oder Angelschein: Nein! Zelten für eine Nacht: Ja – aber nur mit der gebotenen Rücksichtnahme auf Bewohner, Mitmenschen, Tiere und Natur!
Freizeitbeschäftigung in Lappland kennt kaum Grenzen. Sehr beliebt sind Wandertouren in den Fjällregionen. Man wandert mit dem Zelt auf dem Rücken über Stock und Stein, besucht die weitläufigen Nationalparks und übernachtet unter freiem Himmel, im Zelt oder in Schutzhütten. Beispiel gefällig: Der Kungsleden ist ein mehr als 400 km langer schwedischer Fernwanderweg. Er gilt als einer der schönsten Fernwanderwege der Welt. Beliebt und gleichermaßen gebirgig ist die etwas mehr als 100 km lange Teilstrecke von Abisko nach Nikkaluokta. Für diese Strecke sollte ungefähr eine Woche eingeplant werden. Unterwegs kann man in Hütten übernachten, die etwa alle 20 km zu finden sind.




Lappland besteht jedoch nicht nur aus Fjällregionen. Weite Teile erinnern im Landschaftsbild viel eher an die Eifel oder das Sauerland. Wasser und Wald beherrschen diese Regionen, die eine gigantische Tier- und Pflanzenwelt beherbergen. Wanderungen, Rad- und Mountainbikefahrten, sowie Quad-, Schneemobil- und Schlittenhundetouren sind hier sehr gut machbar. Aber auch Ausflüge mit dem Floß oder Bootstouren erhöhen den Freizeitwert. Wie schon zuvor erwähnt umfasst das Allemamnsrätt nicht das Angeln. In fast allen Gewässern sind Angelscheine erforderlich. Diese können meist online erworben werden. Das umfangreichste Portal findet sich hier (in deutsch):
https://www.ifiske.se/index.php/de/
Wer im Sommer in Lappland unterwegs ist, sollte sich auf die allgegenwärtigen Mückenschwärme einstellen. Dichte Kleidung, Mückennetze und Mückenspray gehören zwischen Mai und November zur Standardausrüstung. Im Winter bleiben einem diese Plagegeister erspart. Dafür bleibt dann jedoch keine, oder nur wenig Zeit mit Tageslicht. Dunkelheit beherrscht in den Wintermonaten das Land. Abgemildert wird diese nur durch den Mond und den allgegenwärtigen Schnee. Da es sich dabei wirklich um Schnee und nicht um Matsch handelt ist dieser auch weiß.
Für unerfahrene Urlauber bringt diese Zeit speziell bei Ski- oder Schneewanderungen oder auch bei Schneemobiltouren besondere Gefahren mit sich. Einerseits gibt es Wettersituationen bei denen der Himmel nicht vom Boden zu unterscheiden ist, andererseits können Schnee und Temperaturen gefährlich werden. Das gilt vor allem, wenn man mit dem Schneemobil abseits von ausgeschilderten Strecken unterwegs ist. Wer je versucht hat durch einen halben Meter Schnee zu Fuß voranzukommen, versteht was gemeint ist.
Temperaturen, Schnee- und Wetterlage können bei Winterausflügen für unerfahrene Urlauber gefährliche Situationen heraufbeschwören. Darum gilt: nie allein auf Tour gehen, die Lage immer mit Bedacht und respektvoll einschätzen, nie zu weit von sicheren Gebieten entfernen und allzeit den Mobilfunkempfang sicherstellen.
Was im Winter die Schneemobil- oder Hundeschlittentour ist, erfolgt im Sommer mit dem Quad. Auch wärend der hellen Jahreszeit mit Mittsommernächten ist dennoch erhöhte Vorsicht ratsam. Schnell legt man mit einem Quad größere Entfernungen zurück und die Landschaft ist oftmals sehr wasserreich, steinig mit großen Felsbrocken und mit Mooren durchzogen. Fällt das Gefährt abseits von Wegen und Pfaden aus, kann ein beschwerlicher Rückweg die Folge sein. Dann sind nicht nur lästige Mücken die Wegbegleiter. Hat man die Entfernungen fehlerhaft eingeschätzt, können auch im Sommer kalte Nächte und Schneeschauer für unangenehme Überraschungen sorgen. Darum gelten auch im Sommer für unerfahrene Lapplandbesucher die Ausflugsregeln des Winters.
Schlüsselpunkte für einen garantiert phantastischen Lapplandurlaub
Wer einen unvergesslichen und erholsamen Urlaub in Lappland erleben möchte, der sollte sich entweder auf befestigten Wegen in der Nähe der Zivilisation aufhalten oder den Erfahrungen der lokalen Bevölkerung anvertrauen. Die Menschen in Lappland kennen die örtlichen Gegebenheiten von Kindesbeinen an. Sie wissen genau wann und wo Gefahren drohen könnten. Dazu kommt das sie gerne ihre Erfahrungen teilen und oft selbst in der Natur unterwegs sind. So treffen sich in den Wintermonaten ganze Dorfgemeinschaften zum Eisangeln, grillen oder plaudern an Schutzhütten und auf Eisflächen. Im Sommer dagegen finden ähnliche zwanglose Treffen an den Schutzhütten und den örtlichen Badeplätzen statt. Individualtouristen sollten diese Tatsachen für sich nutzen und Touren an Wochenenden durchführen (dann sind auch die locals unterwegs), immer das Wetter im Blick behalten und vor allem über die örtlichen Schneemobilclubs die Eisdicken der Wasserüberfahrten in Erfahrung bringen. Denn wer gut vorbereitet ist, der erlebt Lappland zu jeder Jahreszeit in unvergesslicher Weise.

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